ᐅ 7 heiße Tipps, wie Sie garantiert Bernstein finden werden
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Es soll ja schon Touristen gegeben haben, die weder an der Nordsee- noch an der Ostseeküste Bernstein gefunden haben, obwohl er dort ziemlich häufig vorkommt. Woran das liegt?
Falsch gesucht!

1. Sommerzeit – Bernsteinzeit?

Wenn in den Sommerferien die Strände mit Urlaubern bevölkert sind, werden Sie keinen Bernstein finden. Wegen der großen Konkurrenz?
Nein, die Aussichten auf Bernstein Funde sind schlecht, weil das Wasser zu warm ist. Erst in der kalten Jahreszeit, also im Herbst oder im Winter, wird der Bernstein durch das kalte Wasser (etwa 3 – 4 Grad Celsius) bei auflandigen Winden nach oben getrieben und durch die Strömung an Land gespült.
In der Hauptferienzeit, also in den Sommerferien, ist Bernstein im Vergleich zum Meerwasser zu schwer und bleibt auf dem Grund des Meeres liegen. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass Sie im Sommer keinen Bernstein finden werden.

2. Sind Sie sturmfest?

Wenn andere bei einem steifen Grog in ihren Ferienwohnung sitzen, weil es draußen ungemütlich ist und regnet und stürmt, ist Ihre Zeit gekommen. Durch den hohen Wellengang wird der Bernstein vom Meeresgrund aufgewirbelt, jetzt ist es Zeit, auf die Suche zu gehen. Wenn Tang an die Meeresoberfläche treibt, verfängt sich der Bernstein darin und wird in größeren Mengen zusammen mit Holz und Muschelschalen an Land gespült. Optimale Bedingungen für Schnellentschlossene – auch andere Bernsteinsucher sind an den Stränden unterwegs.

Ostfriesland-Leuchtturm-Wolken

Allerdings liegt der Bernstein nicht einfach so am Strand herum. Sie finden ihn meistens in einem schmalen Bereich, dem Spülsaum, in dem die Wellen das mitgebrachte Material ablagern. Hier haben sich auffallende braunschwarze Streifen gebildet, das so genannte Roll- oder Sprockholz (dunkle, verwitterte Holzstücke), in dem sich die Suche am meisten lohnt.

3. Wo sich die Suche wirklich lohnt

An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste findet sich kaum Bernstein. Erfolgversprechender ist die Suche an der Nordseeküste, z. B. auf der dänischen Insel Fanø. Fanø ist außergewöhnlich reich an Bernstein, der bei entsprechenden Wetterlagen (s.o.) in erstaunlichen Mengen an den Strand gespült wird. Bernstein übt eine Faszination aus, der viele Menschen ganz unerwartet erliegen.
Emsige Sucher können auf der Düne von Helgoland, auf der es übrigens den „Friedhof der Namenlosen“ gibt, genau so fündig werden wie im Watt vor St. Peter-Ording, vor Büsum sowie an den Stränden der Ost- und Nordfriesischen Inseln.
Darüber hinaus lohnt sich das Sammeln im Watt vor Neuwerk und im Süden der Halbinsel Eiderstedt.

eiskalt-Ostsee

Wenn man sich weiter nach Osten in Richtung der Pommerschen Bucht und damit der Ostseeinsel Usedom begibt, wird man durch reichliche Bernsteinfunde belohnt. Besonders an der Nordostküste von Usedom, auf der Nord- und Westküste des Darß, der Insel Poel, zwischen Boltenhagen und Groß Schwansee gibt es Bernsteinvorkommen.
Auf der Insel Rügen sind die Strandabschnitte mit Bernsteinfeldern zwischen Göhren und Sellin, Binz und Mukran sowie rund um Glowe empfehlenswert.
Und nicht vergessen – die wichtigste Regel lautet:
Wenn Nordwind weht, sollte man an einem Nordstrand suchen, bei Nordostwind an einer Küste, die von Nordwest nach Südost verläuft. Bei Westwind an einem Oststrand zu suchen, ist vergebliche Mühe.

4. Wühlen im Schwemmgut

Zwischen Tang, Treibholz, Muschelschalen und anderem Schwemmgut versteckt sich der Bernstein im Spülsaum am Strand. Wenn man dort sucht, wo größere Stücke Sprockholz herumliegen, hat man die Chance, auch größere Bernsteine zu ergattern.

Treibholz
Es lohnt sich außerdem, im Seetang und Seegras zu wühlen, darin verfängt sich das honiggelbe fossile Harz gerne einmal.
Muschelschalen und Steinen dagegen braucht man keine Beachtung zu schenken – dort ist meist kein Bernstein zu finden.

5. Das ist Bernstein – oder nicht?

Die meisten suchenden Urlauber gehen mit gesenktem Kopf direkt am Ufer entlang. Doch häufig liegt Bernstein viel höher am Strand – an alten Spülsäumen.
Die Methode, die den größten Erfolg verspricht, ist durch das seichte Wasser am Ufer zu waten. Denn nur etwa fünf Prozent des Bernsteins werden an den Strand geworfen.
Und dann stellt sich die alles entscheidende Frage: Ist es jetzt Bernstein oder doch nicht? Was bei manchem Sammler zur Enttäuschung führt, weil er einen Quarz-Kieselstein gefunden hat, bedroht des anderen Gesundheit: Phosphor.

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Weißer Phosphor ist hochgiftig und wurde im Krieg als Füllmaterial für Phosphorbomben verwendet und als Kampfmittel. Inzwischen werden zunehmend einzelne Phosphorstücke vom Meeresgrund an die Strände gespült. Sie sehen dem Bernstein zum Verwechseln ähnlich. Trocknet der Phosphor, verbindet sich dieser mit Sauerstoff und entzündet sich. Er brennt dann mit einer Temperatur von 1.300 Grad und ist kaum noch zu löschen.
Der Spiegel berichtet in seiner Ausgabe vom 15.1.2014:
„Phosphorklumpen: Vermeintlicher Bernstein verbrennt Strandbesucher
Unfall an einem Strand in der Nähe von Kiel: Ein Mann erlitt schwere Verbrennungen, weil er einen selbstentzündlichen Phosphorklumpen für Bernstein hielt. Die gefährlichen Brocken stammen von Brandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg.“
Wie kann man sich schützen?
Man steckt gefundene Bernsteine nicht in die Hosen- oder Jackentasche, sondern immer in einen kleinen Beutel. Diesen kann man im Brandfall schnell wegwerfen. Alternativ kann man auch ein Marmeladenglas mit Wasser füllen und dort ersteinmal alle gefundenen Stücke aufbewahren. Zuhause angekommen, sollte man alle gefundenen Stücke auf einer feuerfesten Unterlage oder im Freien trocknen, bevor man sie in der Wohnung verstaut. Erst wenn alle Stücke trocken sind kann man davon ausgehen, dass man es nicht mit Phosphor zu tun hat.

6. Fundstellen im Binnenland

Stillgelegte Kiesgruben und Baggerseen bieten eine hohe Ausbeute. Außerdem können Sie schöne Objekte finden, wenn Sie in den Abraumhalden an einem Braunkohlewerk suchen. Speziell in Bitterfeld (Leipzig) wurde schon oft Bernstein gefunden. Aber auch in Helmstedt und Halle wurden schon bedeutende Funde gemacht.

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Fazit:

Wenn Sie Morgen wieder gebückt in Gummistiefeln und gelbem Ostfriesennerz, in der Hand einen Stock, eine kleine Schaufel oder ein Fischnetz (und in der Tasche ein Glas für die Ausbeute) an der Wasserkant über den Strand huschen, den Blick fest auf den Boden gerichtet – und doch keinen Bernstein gefunden haben, trösten Sie sich.
Immerhin haben Sie ein wenig Zeit an der frischen Luft verbracht und sich den Wind um die Ohren wehen lassen. Die nächste Bernstein Odyssee ist nicht fern…

PS:

Vielleicht möchte ja der Eine oder die Andere mal seine Funde fotografieren. Wie man mit Smartphone oder Kamera richtig gute Bilder hinbekommt, finden Sie hier:

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